Das Ende des Halluzinierens?
Vom C64 über HTML und eine Umschulung bis zu RDF und Knowledge Graphen. Warum ich Linked Data 25 Jahre lang übersehen habe, und warum ein Graph widersprechen kann, wo Markdown immer schweigt.

Nein, so einfach ist es nicht. Aber lasst mich kurz ausholen.
Ich war ungefähr 14, als ich angefangen habe, Basic auf dem C64 zu programmieren. Dann musste ich eine Pause machen, weil ich mir weder einen Amiga noch später einen PC leisten konnte. Mit rund 20 bin ich wieder eingestiegen, damals mit HTML. Ganz am Anfang, das Web gab es gerade erst. Mit 23 habe ich dann eine Umschulung vom Kommunikationselektroniker zum Industrieinformatiker gemacht. Und seit ich 25 bin, bin ich freiberuflicher Programmierer und später Architekt.
Erst mit 46 habe ich zum ersten Mal von schema.org gehört. Für mich war schema.org völlig verwirrend, weil ich nicht wusste, was JSON-LD ist, und das “-LD” einfach überlesen hatte. Kurze Zeit später habe ich dann von ActivityPub gehört und war davon sehr begeistert. Dann habe ich begriffen, dass “-LD” für Linked Data steht und dass JSON-LD eigentlich eine Repräsentation von RDF ist.
Über 30 Jahre nach dem C64
Nachdem ich mir einige Videos von Harald Sack (danke Harald!) mehrmals angesehen und viel rumprobiert hatte, hat es irgendwann klick in meinem Kopf gemacht. Ich fand plötzlich das Konzept von Triples so einfach und habe mich gefragt, warum ich so lange gebraucht habe, das zu verstehen. Naja, wenn man über 20 Jahre nur relationale Datenbanken gesehen hat, dann braucht es wohl etwas länger, die eingelaufenen Hirnwindungen zu verlassen.
Nun beschäftige ich mich also seit ungefähr 6 Jahren mit RDF, Taxonomien, Ontologien und Knowledge Graphen, und ich bin so krass davon begeistert und gleichzeitig fassungslos, dass ich das so lange nicht gesehen hatte. Obwohl Tim Berners-Lee das vor einer Ewigkeit erfunden hat. Ich kann kaum fassen, dass mir das im Enterprise-Kontext nie begegnet ist, obwohl ich enormes Potential darin sehe. Ich war beim Web von Anfang an dabei und habe die Hälfte davon 25 Jahre lang übersehen.
Vielleicht war es auch nie im Interesse derer, die Daten halten, dass Daten sich frei verknüpfen lassen.
Heute
Seit knapp einem Jahr beschäftige ich mich intensiv mit KI, und die Faszination für Knowledge Graphen ist noch mehr gewachsen. Gleichzeitig aber auch die Fassungslosigkeit über den Hype um Markdown. Ja, Agenten und LLMs gehen sehr gut mit Markdown um. Aber ein Modell erfindet ja nicht, weil es böse ist, sondern weil ihm nichts widerspricht. Und Markdown widerspricht nie. Es kennt keine Beziehungen, nur Text, den jemand wieder lesen muss. Ich kann eine Datei nicht fragen, was an einer Entscheidung hängt. Ein Graph kann das. Das macht das Halluzinieren nicht weg, aber es macht es prüfbar. Ausführlicher steht das in Software Engineering ist kein Fließtext.
Und seit ein paar Monaten sehe ich Licht am Ende des Tunnels. Immer mehr Nachrichten erzählen von Ontologien, schemabasierten Knowledge Graphs, RDF.
Ehrlich gesagt träume ich davon. Ich stelle mir vor, dass Wissen nicht in Silos verrottet, sondern zwischen Organisationen fließt. Dass Mensch und Maschine am selben Wissensnetz arbeiten, ohne dass einer dem anderen die Kontrolle wegnimmt. Und dass eine kleine Initiative dieselben Werkzeuge hat wie ein Konzern.